Maritime Wirtschaft

Können Sie sich vorstellen, dass Deutschland als Exportnation ohne die Maritimewirtschaft auskommen müsste? Nein, irgendwie ist das vollkommen unmöglich. Alleine die Vorstellung, alle notwendigen Exporte und auch Importe ausschließlich via LKW, Bahn und Flugzeug abwickeln zu wollen, ist irgendwie irrsinnig. Mit dem Export, wie wir ihn heute kennen, wäre es dann vorbei. So ist es kein Wunder, dass die Maritimewirtschaft bei uns in Deutschland einen hohen Stellenwert besitzt. Nicht nur aus Deutschland, auch aus den Nachbarstaaten werden die Waren zu unseren großen Häfen, Hamburg und Bremen, aber auch Kiel, Lübeck, Puttgarden, Rostock-Warnemünde und Sassnitz verbracht werden. Richtig, bei einigen dieser Häfen handelt es sich nicht um die großen Häfen, die für internationalen Umschlag sorgen. Aber auch die Fährhäfen haben eine große Bedeutung. Sie sind doch der Dreh- und Angelpunkt für die LKW’s, die täglich über die Ostsee verbracht werden wollen. Die Häfen an der Nordseeküste, allen voran Bremen bzw. Bremerhaven, dürfen natürlich auch nicht vergessen werden. Sie verbinden Deutschland gewissermaßen mit dem Rest der Welt, wie jeder Hafen es tut.

Am Anfang war das Meer

Die Maritimewirtschaft hat für die Deutschen eine lange Tradition. Schon vor Jahrhunderten haben die Bewohner der Küstenregionen sich das Meer zum Freund gemacht. Sie haben seit den Anfängen, Waren über das Meer geschafft, um in anderen Regionen des Landes Handel zu treiben. Ihre Hochzeit hatten die Maritimewirtschaft in der Vergangenheit während der Zeit der Hanse. Schon damals begannen die Menschen vom Land in die Städte zu ziehen, um für die Schiffahrtsgesellschaften, die Lagerhäuser und natürlich die Produktionsstätten, die sich um die Häfen herum angesiedelt hatten, zu arbeiten. Dieser Trend, der sich damals in Gang gesetzt hat, ist bis heute ungebrochen. Auch heute noch sind ganz besonders die großen Hafenstädte, Hamburg und Bremen / Bremerhaven, sehr beliebte Wohnorte. Denn hier ist einfach alles miteinander verbunden. Alles ist vorhanden: Wohnraum, Infrastruktur, Arbeitsplätze und die Möglichkeit, die Sehnsucht zu stillen, wenn sie einen wieder ruft. Es gibt dann nur eine Option, Abhilfe zu schaffen: Den Hafen aufsuchen und den Schiffen hinterherschauen.

Große und kleine Fracht

Die Maritimewirtschaft ist über die Jahre gewachsen, sodass sich mittlerweile ein ganzer Technologiezweig mit Produkten beschäftigt, die ausschließlich im Bereich der Häfen ihren Einsatz finden. Auch wenn die großen Häfen in einzelne Bereiche und Schwerpunktzentren unterteilt sind, ist es doch ein Welt für sich. Dies haben über die Jahre hinweg die Arbeiter und Angestellten der Unternehmen, die dort ansässig sind, berichtet. Wer sich einmal in diesen Arbeitsbereich hineingetraut hat, weiß, wovon sie sprechen. Menschen, die die Sehnsucht nach der Ferne im Blut haben, werden sich immer wieder vom Hafen angezogen fühlen. Denn hier sind sie unter Gleichgesinnten.

Wer glaubt, dass nur große Fracht über den Hafen verladen wird, muss eines Besseren belehrt werden. Denn oftmals sind es gerade die Stückgüter, die in so genannten Sammelcontainern auf günstige Weise zu ihrem Empfangsort verbracht werden können. Jede Schifffahrtslinie, jede Reederei weiß um die Flut der kleinen Sendungen. Deshalb sind viele Container mit unzähligen kleiner Kartons bepackt, die von unterschiedlichen Absendern stammen. Denn nur so ist die Fracht auch für Kleinstverlader noch erschwinglich. Obwohl man hinzufügen sollte, dass der Weg per Schiff zwar recht gemütlich und zeitaufwendig ist. Vergleicht man aber die Kosten für Seefracht mit denen der Luftfracht, wird man feststellen, dass Waren, die ein wenig Zeit haben, bequem per Seefracht aufgegeben werden sollten. So werden Kosten und Ressourcen minimiert. Denn im Vergleich zur Luftfracht kann ein Containerschiff viel mehr Fracht zu entsprechend günstigeren Preisen aufnehmen. Die Luftfracht hingegen brilliert mit anderen Vorzügen.

Leider ist in Bezug auf die deutsche Maritimewirtschaft ein wirtschaftlicher Rückgang zu verzeichnen. Dieser hat klein angefangen, will sich aber nicht wieder verabschieden. Noch ist nicht von einem Bangen zu sprechen. Und doch fangen die ersten großen Unternehmen an, Umstrukturierungen vorzunehmen, um sich vor dem Schlimmsten zu schützen.

Ohne Schiffe keine maritime Wirtschaft

Ja, ohne Schiffe wird es nicht gehen. Deshalb sind in ganz Norddeutschland auch die Schiffswerften ansässig, die für neue Schiffe sorgen, die weltweit veräußert werden. Leider aber muss auch in dieser Branche festgestellt werden, dass es schwierig ist, geeignete Fachkräfte zu finden, die sich dem Schiffsbau verschreiben wollen. Auch an entsprechenden Auszubildenden mangelt es. Zum einen, weil sich immer weniger Jugendliche für einen handwerklichen Beruf entscheiden. Zum anderen, weil sie lukrativere Berufe vorziehen. Wie in vielen anderen Branchen ist es auch im Schiffsbau von Vorteil, wenn man schlicht und ergreifend einen Faible für Schiffe im Besonderen und deren Bau im Speziellen aufweisen kann. Diese Entwicklung ist sehr schade. Denn der Schiffsbau hat ohnehin mit dem internationalen Markt zu kämpfen. Nun auch noch die benötigten Fachkräfte zu verlieren bzw. nicht aufstocken zu können, kann für manch kleine Werft oder deren kleinen Zulieferer eine unumgängliche Katastrophe bedeuten.

Die internationalen Häfen Europas

Europa ist näher zusammengerückt. Die Politik, auch die Wirtschaftspolitik, der EU zeigt ihre ersten Spuren. Leider sind diese an den rückläufigen Zahlen der Hafenbetriebe zu sehen. Die Maritimewirtschaft, die stets einen großen Bereich in der deutschen Wirtschaft eingenommen hat, wird von den Hafenbetrieben der Nachbarländer, insbesondere von den Holländern, bedroht. Rotterdam hat mittlerweile eine Größe erreich, die sogar Hamburg klein wirken lässt. Zudem ist die Digitalisierung und Automatisierung in Rotterdam schon sehr weit fortgeschritten, sodass viele Dienstleistungen um die Maritimewirtschaft herum günstiger als in den deutschen Häfen angeboten werden können. In Bezug auf die Zollabfertigung ändert sich nichts, weder auf der Import- noch auf der Exportseite.

Doch es sind nicht nur die Kosten, die etwa dem Hamburger Hafen zusetzen. Auch die Tatsache, dass die Elbe in regelmäßigen Abständen ausgebaggert werden muss, um auch für die großen Seeschiffe erreichbar zu bleiben, stellt ein Problem dar. Zum einen ist es ein unberechenbarer Kostenfaktor. Zum anderen verändern sich dadurch auch unterschiedliche Komponenten des Hafens, die zuvor als felsenfest Konstanten vorhanden waren. So könnte jede weitere Sturmflut höher ausfallen als vor der vorherigen Ausbaggerung.

Drücken wir der deutschen Maritimewirtschaft die Daumen, damit sie nicht vollständig von den Nachbarländern überrollt wird.